Gestern haben wir für eine neue Folge der Modellbahn Umschau einen Basteltipp abgedreht. Unter Mitwirkung von Frank Bekeszus vom Modellbahn-Stammtisch Rumeltshausen und der fachmännischen Anleitung von Redakteur Max Weickmann wurde ein Umbauvorschlag für Güterwagen in Szene gesetzt, der bei fast allen Nenngrößen angewendet werden kann. Mehr soll hier noch nicht verraten werden. Die 3. Folge der Modellbahn Umschau geht übernächste Woche in die Postproduktion damit sie ab 1. Juni 2009 online sein kann.
Wie doch die Zeit vergeht. Zu den Aufnahmen vom Harz fällt mir spontan meine Erstbesteigung des Brockens ein. Das war 1990, ein halbes Jahr nach der Grenzöffnung. Die Strecke der Brockenbahn wartete noch auf ihre Reaktivierung, aber Viele wollten schon auf den höchsten Berg im Harz. Neugierig auf den ehemals bedeutenden Horchposten des Warschauer Paktes. Zahlreiche Spekulationen rankten sich um das, was da oben sein sollte. Der Weg dorthin war zu der Zeit noch recht abenteuerlich. Denn ausgewiesene Wanderwege zum Gipfel gab es in dem ehemaligen Sperrgebiet natürlich noch nicht. Mit einer 16mm-Bolex Kamera im Rucksack und geschulterten Stativ machten wir uns auf, den Brocken dennoch zu besteigen. Um sich nicht zu verlaufen, wählten meine Frau und ich die marode Trasse der Brockenbahn. Dieser Weg war zwar länger aber schien uns sicherer. Oben angekommen übertraf das, was wir vorfanden, alle unsere Vorstellungen. Rund um das Brockenplateau stand eine über vier Meter hohe Beton-Mauer – wie in Berlin! Unterbrochen nur durch ein Tor als Durchlass für die Materialzüge auf der Brockenstrecke. Das Tor war nicht verschlossen und schlug durch den Wind wie in einem Western auf und zu. Der Gipfel gespenstisch menschenleer. Nur ein dumpfer Ton von unterirdischen Aggregaten war zu hören. Wir folgten dem Geräusch und standen plötzlich vor einem Abgang aus dem chemisch riechende Abluft entwich. Aus einem weiteren Abgang kam plötzlich ein russischer Armeeangehöriger, der das Erdinnere hier oben offensichtlich ausräumen musste. Es war wohl doch kein Gerücht: Der ganze Gipfel muss offenbar mit unterirdischen Gängen und Räumen unterhöhlt sein. In meiner Dokumentation „Bahnreise durch Sachsen-Anhalt“, die uns Jahre später noch einmal auf den Gipfel führte, haben wir diese Aufnahmen nicht verwendet. Zu trist und trostlos sah es damals auf dem Brocken aus. Dafür zeigt die Sendung „Von Mythen und Sagen“ auf Bahnwelt TV gleich zwei sagenumwobene Orte im Harz: Den Brocken und das Bodetal. Der Film startet hier >> (Foto: Hansjörg Hörseljau)
Schon die erste Folge der Modellbahn Umschau ist auf ein ziemlich großes Interesse gestoßen. Die Magazinsendung für Modelleisenbahner hat auf Bahnwelt TV die höchsten „Einschaltquoten“. Damit verbunden sind auch eine Menge Zuschauer-fragen, die bei den Redaktionssitzungen natürlich alle besprochen werden. Ich habe für den Eisenbahnfilme-Blog den Redakteur der Modellbahn Umschau, Max Weickmann, dazu antworten lassen. Die am meisten gestellte Frage ist: Warum gibt es von der Modellbahn Umschau nur alle drei Monate eine neue Folge?
M.W.: Wir befinden uns erst im so genannten Pilotjahr. In dem können wir nur vier Folgen für die Modellbahn Umschau produzieren. Stoff und Themen hätten wir genug. Aber zunächst stecken wir nur Geld rein. Allein um kostendeckend zu arbeiten, brauchen wir einen größeren Bekanntheitsgrad und noch mehr Partner.
Warum sind die Folgen der Modellbahn Umschau nur zehn Minuten lang? Viele Zuschauer wollen mehr sehen.
M.W.: Auch hier diktiert wieder die Kostensituation die Vorgaben. Die Sendungen dürfen deshalb nicht so lang sein, weil Webspace auf angemieteten Servern nicht gerade billig ist. Wir bieten hingegen unsere Sendungen für jedermann kostenlos an und wollen noch möglichst viele online stellen, ohne die Bildqualität verschlechtern zu müssen.
Warum zeigt man nicht statt drei kurzer Berichte nur ein Thema und das ausführlicher?
M.W.: Bis auf eine Ausnahme wollen wir in jeder Folge der Modellbahn Umschau mehrere Themen behandeln, um auch dem Titel der Sendung gerecht zu werden und damit möglichst vielen Modellbahnfreunden interessante Inhalte bieten zu können. Schließlich gibt es ja auch mehrere Nenngrößen für dieses Hobby. Die Ausnahme wird die nächste Folge sein, die ausschließlich über die Neuheiten der Nürnberger Spielwarenmesse berichten wird.
Zum Schluss eine Frage, die auch öfters gestellt wurde. Wer verbirgt sich eigentlich hinter der sympathischen Stimme, die den Kommentar in der Modellbahn Umschau spricht. Kann man die auch mal sehen?
M.W.: Sheradin Matz ist eine junge Dame aus dem Medienbereich, die nicht nur akzentfrei spricht, sondern genauso sympathisch ist wie ihre Stimme klingt. Wenn sich die Modellbahn Umschau mal richtig etabliert hat, ist vielleicht auch eine echte Moderation denkbar.
Dann hoffen wir mal auf einen baldigen großen Erfolg.
M.W.: Danke, die Resonanz ist bereits verhältnismäßig groß. Bin schon gespannt auf die der nächsten Folge mit unserem Messespecial.
In diesem Monat stellt Bahnwelt TV in der Reihe Bahnnostalgie das Traditionsbahnbetriebswerk Staßfurt aus dem Dokumentarfilm „Bahnreise durch Sachsen-Anhalt“ vor. An die Dreharbeiten zu diesem Film habe ich nicht wenige schmerzhafte Erinnerungen. Damals, in den ersten Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung, war professionelles Kamera- equipment nicht gerade handlich. Wer für das Fernsehen arbeitete musste im Sendestandard Betacam SP drehen. Das waren zu der Zeit keine Camcorder, sondern noch kiloschwere Videokameras. Dazu kam ein Rekorder, der als separates Gerät an die Kamera angeschlossen wurde und per Schulterriemen mitgeschleppt werden mußte. Dieser Rekorder wog noch schwerer als die Kamera. Zusammen mit einem Profi-Stativ eine Anschaffung zum Preis eines Mittelklassewagens. Die Arbeit mit dem schweren Gerät war sehr umständlich. Spontane und schnelle Aufnahmen waren eigentlich gar nicht möglich. Die Kamera mußte nach jedem Transport immer erst wieder mit dem Rekorder verbunden werden. Hierzu war ein 26-poliges Kabel mit Gewindeverschluß nötig. Bis das Kabel drangeschraubt war und der Beta SP-Rekorder das Band der Kassette eingefädelt hatte vergingen oft Minuten.
Viel schlimmer war aber, dass der geschulterte Rekorder nach längerer Arbeitszeit immer schwerer wurde. Nach jedem Drehtag habe ich die wundgescheuerte Schulter behandeln müssen, von den Rückenschmerzen ganz zu schweigen. Was waren wir froh, als die ersten Kameras mit angedockten Beta SP-Rekorder auf den Markt kamen. Gut, die hatten dann auch noch 12 Kilo Gewicht, aber waren mit Henkel als eine Einheit mit einer Hand zu tragen. Vieles hat sich seit dem verändert. Auch in den neuen Bundesländern. Geblieben ist ein filmisches Zeitdokument. Die „Bahnreise durch Sachsen-Anhalt“ zeigt außer dem Traditions-Bw in Staßfurt noch das Bahnbetriebswerk und das Ausbesserungswerk in Halberstadt, den Harz mit der Harzquer-und Brockenbahn, das Selketal mit Alexisbad und Harzgerode, Blankenburg, die Rübelandbahn, das Bodetal, Quedlinburg, Klostermansfeld mit der Mansfelder Bergwerksbahn, die Lutherstadt Eisleben, die Amsdorfer Braunkohlebahn und Halle an der Saale. Den gut 80-minütigen Film gibt es jetzt in Neuauflage als DVD mit Szenenanwahl.
Als wir für die RAI Bozen in Südtirol die einzigartige Lokalbahn auf dem Ritten porträtierten, wären die Dreharbeiten ohne die uneingeschränkte Unterstützung des damaligen Betriebsleiter Peter Kerschbaumer wohl kaum möglich gewesen. Was hat er nicht alles für uns angestellt: Ob Mitfahrten in den historischen Triebwagen, Scheinanfahrten oder Sonderfahrten, vieles davon wurde eigens für die Kamera organisiert. So darf es zum Beispiel nicht verwundern, wenn im Film auf der Fahrt nach Mariahimmelfahrt ein fast menschenleerer Triebwagen zu sehen ist. Der Wagen 12 wurde nur für uns allein bewegt! Dazu gehörten auch Fahrten zu den schönsten Fotostandpunkten der Strecke, an denen wir aus- und wieder zusteigen durften. Das alles natürlich nicht ganz uneigennützig. Denn die Rittnerbahn war „seine“ Bahn! Und diese verstand er auf wundervolle Weise perfekt ins beste Licht zu rücken. Unvergessen auch seine Pausen, die er stets bei einem Cappuccino auf der Terrasse eines Cafés nahe am Bahnhof Oberbozen zu nehmen pflegte. Von dort aus konnte er seine Bahn mit den ankommenden und ausfahrenden Wagen beobachten. Umso überraschender die Nachricht ein halbes Jahr später über seinen plötzlichen Tod bei einem Betriebsunfall durch Stromschlag. Man kann wohl behaupten, dass Peter Kerschbaumer für die Bahn lebte und gestorben ist. Sein Kollege Klaus Kofler wurde sein Nachfolger. Er ist es übrigens, der in dem Bahnwelt TV-Beitrag über die Instandhaltung der historischen Triebwagen, tatkräftig Hand anlegt. Den Film „Die Rittnerbahn“ gibt es seit dem 100-jährigen Jubiläum in einer Neuauflage als DVD.
Wie wohl jeder Filmschaffende hofft, dass seine Tätigkeit irgendwann einmal Anerkennung findet und ausgezeichnet wird, träume auch ich wohl insgeheim davon. Und eigentlich hätte ich nach gut 20-jähriger künstlerischer Tätigkeit als Kameramann schon längst einen Preis verdient. Vielleicht ist ein langjähriger Wegbegleiter und Eisenbahnfreund auch dieser Meinung gewesen und hat mir aus diesem Beweggrund zum Geburtstag ein originelles Geschenk machen wollen. Er überreichte mir für verdiente Leistungen in diesem Genre eine Oscar-Replika. Und weil er niemanden benachteiligen wollte bekam meine Frau gleich auch einen solchen Oscar – für die „tragende Rolle“ in vielen meiner Dokumentarfilme. Die im wahrsten Sinne des Wortes und verdientermaßen. Denn ohne ihre Mithilfe wäre so manches Projekt einiges schwieriger zu realisieren gewesen. Nun gut, seitdem zieren gleich zwei „Oscar’s“ das Regal mit meiner Eisenbahnfilmsammlung. Wenn schon nicht original, so doch genauso als echte Staubfänger.
Große Bestürzung löste bei mir die Nachricht aus, dass der bekannte Fachjournalist Michael Meinhold nach kurzer, heimtückischer Krankheit am 4. Januar 2009 im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Damit verliert die Eisenbahnszene einen grossartigen Autor, der durch seine Sachkenntnis gepaart mit einer gehörigen Portion Humor sich von vielen Kollegen der einschlägigen Schreiberzunft abhob. Ich lernte „MM“, wie er branchenintern nur genannt wurde, als Chefredakteur der Fachzeitschrift „Bahn & Modell“ kennen. Uns verband die Leidenschaft für die Eisenbahn. Wobei ich mich damals noch nicht so sehr für die Modellbahn interessierte. Unsere Wege kreuzten sich auch nach Einstellung von „Bahn & Modell“. Denn seitdem machte sich MM als freiberuflicher Journalist und Autor für verschiedene Fachzeitschriften einen Namen und war bei so manchem Branchentreff ein gern gesehener Gast. Er hat Maßstäbe gesetzt und wird uns allen fehlen.
Im Dachauer Hinterland trifft sich seit vielen Jahren regelmäßig ein rühriger Modelleisenbahner-Stammtisch. Einmal im Jahr veranstaltet er in einem 90 qm großen Saal einen öffentlichen Fahrtag in Spur 1. Dort kamen auf ca. 120 Meter Gleis über 30 Lokomotiven und fast 100 Personen- und Güterwagen der verschiedensten Hersteller zusammen. Der Maßstab 1:32 wird allgemein hin auch als „Königsklasse“ der Modellbahnspuren bezeichnet. Viele Modellbahnfreunde dieser großen Spur haben zu Hause keine Möglichkeit zum Fahren und nutzen solche Gelegenheiten gerne, ihre Maschinen mal auf langer Strecke unter Last zu testen. Und so ist auf so einem Fahrtag auch fast alles an Schienenfahrzeugmodellen im Einsatz: Krokodile und Dampfrösser vor Güterzügen, Personenzüge wie den historischen Rheingold aber auch amerikanische Großdieselloks.
Ein Highlight war diesmal das Modell der größten Dampflokomotive der Welt – dem „Big Boy“. Den stolzen Besitzern war beim Kauf klar, dass wenn diese Maschine aus USA geliefert wird, sie hier nicht fahrtüchtig ist. Deshalb mussten sie das Modell komplett zerlegen. Dazu gehörte auch das Ausbauen des neunzehnachsigen Fahrwerks. Selbst die Räder mussten noch abgedreht werden, weil die Radkränze zu hoch waren. Auch die elektronische Ausrüstung wie Dekoder, Soundmodule und dergleichen mussten mit dem europäischen Standard entsprechenden Teilen ersetzt werden. Letztlich glich der Umbau fast einem Neuaufbau. Die Mühe aber hat sich gelohnt. Eindrucksvoll zu sehen ist das in der ersten Folge der Modellbahn Umschau auf Bahnwelt TV. Gerne hätten wir noch viel mehr in Rumeltshausen drehen wollen. Leider legte nach zwei Stunden ein Kurzschluss die gesamte Anlage für mehrere Stunden lahm, auch weil von der Steuerung ein elektronisches Bauteil durchgeschmort war. Damit war für uns zwangsläufig Drehschluß.